JOHANN GEORG GRIMM (Bühl am Alpsee 1846–1887 Palermo) Rom: Abschnitt der Via Appia in der Nähe des Albaner Sees bei Castel Gandolfo. 1873. Öl auf Leinwand. Unten rechts signiert, bezeichnet und datiert: Georg Grim Rom 1873. 68,5 × 97,5 cm. Provenienz: Europäische Privatsammlung. Ausstellung: Mindelheim 2022, Auf und Davon. Vom Allgäu in die weite Welt. Georg Grimm (1846–1887). Mindelheimer Museen, 24.6.2022–16.10.2022. Wir danken Carlos Roberto Maciel Levy für den Hinweis zum Titel (Referenz: Brief des Künstlers an seine Familie). Johann Georg Grimm gilt als der Pionier der Pleinair Malerei in Brasilien und Gründungsvater der dortigen Landschaftsmalerei im 19. Jahrhundert. Seine topographischen Ansichten des Landes zählen zu den gefragtesten Beispielen der Brasilianischen Malerei. Als Sohn eines Tischlers erlernte der zeichnerisch begabte Allgäuer Johann Georg Grimm zuerst das Schreinerhandwerk, bevor er sich schliesslich in eine Malerlehre begab. Arbeitsbedingt gelangte er über Kempten und Neustift schliesslich nach München, wo er 1867 an der Akademie der Bildenden Künste aufgenommen wurde. Trotz finanziellen Engpässen verbrachte er drei Jahre an der Akademie in München und lernte wohl in dieser Zeit seine zukünftige Gönnerin, die kunstbegeisterte Chirurgengattin Therese Carolina Ravoth, kennen. In Ravoth fand Grimm, welcher bereits als junger Knabe seine Mutter verlor, nicht nur eine grosszügige Wohltäterin – vermutlich finanzierte sie mitunter Grimms Studienreise nach Italien – sondern auch eine Mutterfigur, zu der er bis zu seinem Tod brieflichen Kontakt pflegte. Das hier angebotene Frühwerk des Allgäuer Künstlers ist eine der ersten grossformatigen Auftragsarbeit, welche er ausführte. Anhand der Signatur und Datierung "Georg Grim, Rom 1873" lässt sich die Entstehung des Bildes in die Zeit von Grimms erster Europareise verorten. Somit handelt es sich um das einzige grossformatige Bild, welches bislang aus der Zeit zwischen 1872 und 1875 bekannt ist. Während seines Aufenthalts in Rom schrieb Grimm in einem Brief an seinen Bruder, dass er ein Bild an seine Berliner Mäzenin verkaufen konnte. Bedenkt man die zeitliche Entstehung, ist es gut möglich, dass es sich hierbei um das vorliegende Werk handelt. Grimm reiste von 1872 bis 1875 entlang der klassischen "Grand Tour". Erst bereiste er Italien und besuchte mehrfach Rom, Florenz und Capri; zeitweilig auch in Gesellschaft von Therese Ravoths Sohn, Max Ravoth, der sich auch auf seiner Grand Tour befand. Nach einem kurzen Zwischenstopp in Berlin setzte er seine Reise dann bis 1877 fort und gelangte über Sizilien durch den Orient und Maghreb nach Frankreich, England und schliesslich nach Portugal, wo er sich in Lissabon, wohl fasziniert vom Exotischen, unerwartet dazu entschloss nach Brasilien überzusetzen. In den folgenden zwei Jahren hielt sich Grimm in den umgebenden Provinzen von Rio de Janeiro auf und malte für die reichen Grossgrundbesitzer detaillierte Bilder von deren Kaffeeplantagen und anderen Landgütern (siehe Abb. 1, entnommen aus dem Ausst.-Kat. Johann Georg Grimm 1846-1887. Künstlerkarriere zwischen Allgäu und Brasilien, Immenstadt 2006, S. 16). 1880 kehrte Grimm dann kurzweilig in seine Heimat zurück und reiste nach dem Tod seines Vaters ein zweites Mal durch Europa, bevor er 1881 wieder nach Brasilien zurückkehrte. Zurück in Brasilien konnte Grimm an einer öffentlichen Kunstausstellung der Sciedade Propagadora das Belas Artes in Rio de Janeiro teilnehmen. Mit seinen Werken, welche grösstenteils auf seinen Reisen durch Europa entstanden waren, feierte Grimm grosse Erfolge und wurde mit der goldenen Medaille ausgezeichnet. Von der Presse hochgelobt, wurde er schliesslich auf persönliche Intervention des Brasilianischen Kaisers Pedro als Professor für Landschaftsmalerei an die Academia Imperial de Belas Artes berufen. An der Akademie scharte er einen Kreis hochbegabter Nachwuchskünstler um sich, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu einer der brillantesten Malergener
JOHANN GEORG GRIMM (Bühl am Alpsee 1846–1887 Palermo) Rom: Abschnitt der Via Appia in der Nähe des Albaner Sees bei Castel Gandolfo. 1873. Öl auf Leinwand. Unten rechts signiert, bezeichnet und datiert: Georg Grim Rom 1873. 68,5 × 97,5 cm. Provenienz: Europäische Privatsammlung. Ausstellung: Mindelheim 2022, Auf und Davon. Vom Allgäu in die weite Welt. Georg Grimm (1846–1887). Mindelheimer Museen, 24.6.2022–16.10.2022. Wir danken Carlos Roberto Maciel Levy für den Hinweis zum Titel (Referenz: Brief des Künstlers an seine Familie). Johann Georg Grimm gilt als der Pionier der Pleinair Malerei in Brasilien und Gründungsvater der dortigen Landschaftsmalerei im 19. Jahrhundert. Seine topographischen Ansichten des Landes zählen zu den gefragtesten Beispielen der Brasilianischen Malerei. Als Sohn eines Tischlers erlernte der zeichnerisch begabte Allgäuer Johann Georg Grimm zuerst das Schreinerhandwerk, bevor er sich schliesslich in eine Malerlehre begab. Arbeitsbedingt gelangte er über Kempten und Neustift schliesslich nach München, wo er 1867 an der Akademie der Bildenden Künste aufgenommen wurde. Trotz finanziellen Engpässen verbrachte er drei Jahre an der Akademie in München und lernte wohl in dieser Zeit seine zukünftige Gönnerin, die kunstbegeisterte Chirurgengattin Therese Carolina Ravoth, kennen. In Ravoth fand Grimm, welcher bereits als junger Knabe seine Mutter verlor, nicht nur eine grosszügige Wohltäterin – vermutlich finanzierte sie mitunter Grimms Studienreise nach Italien – sondern auch eine Mutterfigur, zu der er bis zu seinem Tod brieflichen Kontakt pflegte. Das hier angebotene Frühwerk des Allgäuer Künstlers ist eine der ersten grossformatigen Auftragsarbeit, welche er ausführte. Anhand der Signatur und Datierung "Georg Grim, Rom 1873" lässt sich die Entstehung des Bildes in die Zeit von Grimms erster Europareise verorten. Somit handelt es sich um das einzige grossformatige Bild, welches bislang aus der Zeit zwischen 1872 und 1875 bekannt ist. Während seines Aufenthalts in Rom schrieb Grimm in einem Brief an seinen Bruder, dass er ein Bild an seine Berliner Mäzenin verkaufen konnte. Bedenkt man die zeitliche Entstehung, ist es gut möglich, dass es sich hierbei um das vorliegende Werk handelt. Grimm reiste von 1872 bis 1875 entlang der klassischen "Grand Tour". Erst bereiste er Italien und besuchte mehrfach Rom, Florenz und Capri; zeitweilig auch in Gesellschaft von Therese Ravoths Sohn, Max Ravoth, der sich auch auf seiner Grand Tour befand. Nach einem kurzen Zwischenstopp in Berlin setzte er seine Reise dann bis 1877 fort und gelangte über Sizilien durch den Orient und Maghreb nach Frankreich, England und schliesslich nach Portugal, wo er sich in Lissabon, wohl fasziniert vom Exotischen, unerwartet dazu entschloss nach Brasilien überzusetzen. In den folgenden zwei Jahren hielt sich Grimm in den umgebenden Provinzen von Rio de Janeiro auf und malte für die reichen Grossgrundbesitzer detaillierte Bilder von deren Kaffeeplantagen und anderen Landgütern (siehe Abb. 1, entnommen aus dem Ausst.-Kat. Johann Georg Grimm 1846-1887. Künstlerkarriere zwischen Allgäu und Brasilien, Immenstadt 2006, S. 16). 1880 kehrte Grimm dann kurzweilig in seine Heimat zurück und reiste nach dem Tod seines Vaters ein zweites Mal durch Europa, bevor er 1881 wieder nach Brasilien zurückkehrte. Zurück in Brasilien konnte Grimm an einer öffentlichen Kunstausstellung der Sciedade Propagadora das Belas Artes in Rio de Janeiro teilnehmen. Mit seinen Werken, welche grösstenteils auf seinen Reisen durch Europa entstanden waren, feierte Grimm grosse Erfolge und wurde mit der goldenen Medaille ausgezeichnet. Von der Presse hochgelobt, wurde er schliesslich auf persönliche Intervention des Brasilianischen Kaisers Pedro als Professor für Landschaftsmalerei an die Academia Imperial de Belas Artes berufen. An der Akademie scharte er einen Kreis hochbegabter Nachwuchskünstler um sich, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu einer der brillantesten Malergener
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