Kerner, Justinus, Arzt und Dichter (1786-1862). 4 eigh. Gedicht-Manuskripte mit Namenszug "Justinus Kerner" über dem ersten sowie 1 eigh. Begleitbrief m. U. "J Kerner" und Adresse. Zus. 5 S. 4to. (Weinsberg) 26.IV.1851. Sammlung von 4 eigenhändigen Gedichten, zum Abdruck im Cottaschen "Morgenblatt für gebildete Stände" bestimmt und begleitet von einem Brief an Kerners Freund, den Bibliothekar und langjährigen "Morgenblatt"- Redakteur Hermann Hauff (1800-1865) in Stuttgart. "Bester Hermann! ich sende dir hier Verse für's Morgenblatt . Kannst du sie gebrauchen, ist es mir lieb. Ich glaube du könntest sie in ein Blatt bringen. Die Gedichte sind ja sehr klein. Ich war kürzl. in Stuttgart; meine Frau traf deine liebe Tochter, aber ich konnte dich dießmal nicht aufsuchen, denn ich hatte unsäglich viele Gänge, meistens auch wegen Theobald [Justinus Kerners Sohn] ...". - Das erste Gedicht, mit der Gesamt-Überschrift " Verse von Justinus Kerner" setzt den schmerzlich-leidenschaftlichen Gedichtzyklus "An Sie im Alter" fort, enthält 5 vierzeilige Strophen und beginnt: "Wohl ward schon Manches mir genommen / Das ich gelockt vor's Augenlicht, / Doch Eines ist noch nicht gekommen / Und bete, daß diß komme nicht. - Diß ist, o Herz! vor mir Dein Sterben! / Wie könnt' mich halten noch die Welt? / Ich müßte wie ein Baum verderben / Dem man die Wurzel halb gefällt ...". - Das Gedicht nimmt die Motive und Bilder aus "An Sie im Alter" Nr. 4 und 5 wieder auf, das Augenlicht und den zerspaltenen Baum, und zeigt, wie die Gedanken um Verlust und Einsamkeit im Alter immer wieder das Gemüt des 65jährigen bewegen. - Das zweite, sehr viel bekanntere Gedicht ist überschrieben: " In das Album eines jungen Mädchens" , besteht aus 3 vierzeiligen Strophen und beginnt: "Lass mit Augen die halb blind / Mich in dein Gedenkbuch schreiben: / Bitte Gott, mein liebes Kind! / Lange noch ein Kind zu bleiben. - Zähle dich noch lange nicht / zu den Fräulein und den Frauen, / Eine Frühlingsblüthe licht / Sey noch lange anzuschauen! ...". - Das dritte Gedicht, der Vierzeiler "Die Todesstrafe" , lautet: "Die Todesstrafe habt ihr abgeschafft / Doch die Natur hält sie in alter Kraft. / Der Todt verbleibt und härter sterben müßen / Wir meistens als durch Köpfen und Erschießen." - Auch das letzte Gedicht, betitelt "Der Grundton der Natur" , ist ein Vierzeiler und lautet: "Oft hör ich, geh ich einsam auf der Flur / Leis einen Ton unnennbar tiefer Klage, / Und wenn ich dann erstaunt, was tönt so? frage, / Lacht's laut: das ist der Grundton der Natur!" - Durch den Begleitbrief vereinigte, beachtliche Sammlung von Altersgedichten Kerners, die seine durch mancherlei Umstände wie den zunehmenden Verlust des Augenlichts in diesen Jahren öfter eingetretene depressive Grundstimmung spiegeln.
Kerner, Justinus, Arzt und Dichter (1786-1862). 4 eigh. Gedicht-Manuskripte mit Namenszug "Justinus Kerner" über dem ersten sowie 1 eigh. Begleitbrief m. U. "J Kerner" und Adresse. Zus. 5 S. 4to. (Weinsberg) 26.IV.1851. Sammlung von 4 eigenhändigen Gedichten, zum Abdruck im Cottaschen "Morgenblatt für gebildete Stände" bestimmt und begleitet von einem Brief an Kerners Freund, den Bibliothekar und langjährigen "Morgenblatt"- Redakteur Hermann Hauff (1800-1865) in Stuttgart. "Bester Hermann! ich sende dir hier Verse für's Morgenblatt . Kannst du sie gebrauchen, ist es mir lieb. Ich glaube du könntest sie in ein Blatt bringen. Die Gedichte sind ja sehr klein. Ich war kürzl. in Stuttgart; meine Frau traf deine liebe Tochter, aber ich konnte dich dießmal nicht aufsuchen, denn ich hatte unsäglich viele Gänge, meistens auch wegen Theobald [Justinus Kerners Sohn] ...". - Das erste Gedicht, mit der Gesamt-Überschrift " Verse von Justinus Kerner" setzt den schmerzlich-leidenschaftlichen Gedichtzyklus "An Sie im Alter" fort, enthält 5 vierzeilige Strophen und beginnt: "Wohl ward schon Manches mir genommen / Das ich gelockt vor's Augenlicht, / Doch Eines ist noch nicht gekommen / Und bete, daß diß komme nicht. - Diß ist, o Herz! vor mir Dein Sterben! / Wie könnt' mich halten noch die Welt? / Ich müßte wie ein Baum verderben / Dem man die Wurzel halb gefällt ...". - Das Gedicht nimmt die Motive und Bilder aus "An Sie im Alter" Nr. 4 und 5 wieder auf, das Augenlicht und den zerspaltenen Baum, und zeigt, wie die Gedanken um Verlust und Einsamkeit im Alter immer wieder das Gemüt des 65jährigen bewegen. - Das zweite, sehr viel bekanntere Gedicht ist überschrieben: " In das Album eines jungen Mädchens" , besteht aus 3 vierzeiligen Strophen und beginnt: "Lass mit Augen die halb blind / Mich in dein Gedenkbuch schreiben: / Bitte Gott, mein liebes Kind! / Lange noch ein Kind zu bleiben. - Zähle dich noch lange nicht / zu den Fräulein und den Frauen, / Eine Frühlingsblüthe licht / Sey noch lange anzuschauen! ...". - Das dritte Gedicht, der Vierzeiler "Die Todesstrafe" , lautet: "Die Todesstrafe habt ihr abgeschafft / Doch die Natur hält sie in alter Kraft. / Der Todt verbleibt und härter sterben müßen / Wir meistens als durch Köpfen und Erschießen." - Auch das letzte Gedicht, betitelt "Der Grundton der Natur" , ist ein Vierzeiler und lautet: "Oft hör ich, geh ich einsam auf der Flur / Leis einen Ton unnennbar tiefer Klage, / Und wenn ich dann erstaunt, was tönt so? frage, / Lacht's laut: das ist der Grundton der Natur!" - Durch den Begleitbrief vereinigte, beachtliche Sammlung von Altersgedichten Kerners, die seine durch mancherlei Umstände wie den zunehmenden Verlust des Augenlichts in diesen Jahren öfter eingetretene depressive Grundstimmung spiegeln.
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