Auktionsarchiv: Los-Nr. 612

Museales Vasenpaar mit chinoisem Reliefdekor

Schätzpreis
Zuschlagspreis:
n. a.
Auktionsarchiv: Los-Nr. 612

Museales Vasenpaar mit chinoisem Reliefdekor

Schätzpreis
Zuschlagspreis:
n. a.
Beschreibung:

Museales Vasenpaar mit chinoisem Reliefdekor
Porzellan, cremefarbene körnige Masse, modelgeformt, gebrannt und glasiert. Modell in "gu"-Form, Flöten- oder Stangenform mit trichterartiger Mündung und bauchiger Mitte. Drei Zonen mit umlaufendem Reliefdekor nach asiatischem Vorbild: Blütenzweige, Felsen und ein auf einem breiten Sumpfpflanzenblatt sitzender exotischer Vogel. Ein abgestrichener Boden mit Blaumarke Schwerter, ein glasierter vertiefter Boden, auf beiden Böden ein geritztes Alchemistenzeichen. Die Vase mit Blaumarke mit wieder eingefügtem V-förmigem Ausbruch oben. Die Vase ohne Schwertermarke mit kreisförmigem Brandriss um den Boden, einer Restaurierung am oberen und am Bodenrand. H 41,7 cm.
Meissen, 1730er Jahre.Das Alchemistenzeichen eines auf der Spitze stehenden Dreiecks mit einem Kreuz bezeichnet Sulphur/Schwefel, eine der "Drei Substanzen", zusammen mit Merkur und Salz. Rainer Rückert publizierte das seltene Zeichen auf einem Pfau im Historischen Museum Bern (Inv. Nr. 28137), der wohl 1732 ausgeformt wurde, und auf fünf weiteren Exemplaren in der Münchner Residenz. Diese Modelle, die ostasiatische Porzellanplastiken nachahmen, werden heute meist den Formern Georg Fritzsche (1697/98 - 1756) oder Gottlieb Schmahl zugeschrieben, der 1723 in die Manufaktur kam.
Diese "Pseudo-" und tatsächliche Kopien asiatischer Modelle, zu denen auch die beiden hier vorgestellten Vasen zählen, wurden präferiert nach 1729 produziert. Dieser neue Schwerpunkt war dem französische Kaufmann Rudolphe Lemaire zu verdanken, der solche Stücke in Frankreich als asiatisches Porzellan verkaufen wollte. Den Zusammenhang von Lemaires Bestellung in Meissen und den mit der Alchemistenmarke gekennzeichneten Porzellane erwähnte bereits Rainer Rückert in seinem Aufsatz 1996. Es ist möglich, dass diese Vasen an Lemaire geliefert wurden, denn nur eine trägt ja die unterglasurblaue Schwertermarke.
Eine weitere Balusterdeckelvase mit sehr ähnlicher Scherbenkonsistenz und gleichem Reliefdekor, ehemals Sammlung Ernst Schneider befindet sich heute in der Sammlung Hetjens Museum Düsseldorf. Diese Vase ist hingegen mit der AR-Marke gekennzeichnet, wird aber mit großer Sicherheit ungefähr zeitgleich produziert worden sein.
Das Modell ist auf chinesische "gu"-Bronzegefäße aus der Shang- und Zhou-Zeit zurückzuführen. In der Porzellansammlung Dresden befinden sich einige bemalte chinesische Vasen gleicher Form aus der Kangxi-Ära.ProvenienzChristie's London am 14. Juni 1994, Lot 199.LiteraturhinweiseZum Formerzeichen s. Rückert, Alchemistische Symbolzeichen als Meißener Masse-, Former-, Bossierer und Drehermarken im vierten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts, in: Keramos 151/96, S. 75, Abb. 11, Marke 11 und S. 85 ff.
Vgl. Pietsch, Meissener Porzellan und seine ostasiatischen Vorbilder, Leipzig 1996, Abb. 40, die weiße Vase mit der AR-Marke in der Porzellansammlung Dresden, Inv. Nr. P. E. 7698.
Eine gleiche Vase ehemals Sammlung Just (heute Uměleckoprůmyslové Museum Prag).

Auktionsarchiv: Los-Nr. 612
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Museales Vasenpaar mit chinoisem Reliefdekor
Porzellan, cremefarbene körnige Masse, modelgeformt, gebrannt und glasiert. Modell in "gu"-Form, Flöten- oder Stangenform mit trichterartiger Mündung und bauchiger Mitte. Drei Zonen mit umlaufendem Reliefdekor nach asiatischem Vorbild: Blütenzweige, Felsen und ein auf einem breiten Sumpfpflanzenblatt sitzender exotischer Vogel. Ein abgestrichener Boden mit Blaumarke Schwerter, ein glasierter vertiefter Boden, auf beiden Böden ein geritztes Alchemistenzeichen. Die Vase mit Blaumarke mit wieder eingefügtem V-förmigem Ausbruch oben. Die Vase ohne Schwertermarke mit kreisförmigem Brandriss um den Boden, einer Restaurierung am oberen und am Bodenrand. H 41,7 cm.
Meissen, 1730er Jahre.Das Alchemistenzeichen eines auf der Spitze stehenden Dreiecks mit einem Kreuz bezeichnet Sulphur/Schwefel, eine der "Drei Substanzen", zusammen mit Merkur und Salz. Rainer Rückert publizierte das seltene Zeichen auf einem Pfau im Historischen Museum Bern (Inv. Nr. 28137), der wohl 1732 ausgeformt wurde, und auf fünf weiteren Exemplaren in der Münchner Residenz. Diese Modelle, die ostasiatische Porzellanplastiken nachahmen, werden heute meist den Formern Georg Fritzsche (1697/98 - 1756) oder Gottlieb Schmahl zugeschrieben, der 1723 in die Manufaktur kam.
Diese "Pseudo-" und tatsächliche Kopien asiatischer Modelle, zu denen auch die beiden hier vorgestellten Vasen zählen, wurden präferiert nach 1729 produziert. Dieser neue Schwerpunkt war dem französische Kaufmann Rudolphe Lemaire zu verdanken, der solche Stücke in Frankreich als asiatisches Porzellan verkaufen wollte. Den Zusammenhang von Lemaires Bestellung in Meissen und den mit der Alchemistenmarke gekennzeichneten Porzellane erwähnte bereits Rainer Rückert in seinem Aufsatz 1996. Es ist möglich, dass diese Vasen an Lemaire geliefert wurden, denn nur eine trägt ja die unterglasurblaue Schwertermarke.
Eine weitere Balusterdeckelvase mit sehr ähnlicher Scherbenkonsistenz und gleichem Reliefdekor, ehemals Sammlung Ernst Schneider befindet sich heute in der Sammlung Hetjens Museum Düsseldorf. Diese Vase ist hingegen mit der AR-Marke gekennzeichnet, wird aber mit großer Sicherheit ungefähr zeitgleich produziert worden sein.
Das Modell ist auf chinesische "gu"-Bronzegefäße aus der Shang- und Zhou-Zeit zurückzuführen. In der Porzellansammlung Dresden befinden sich einige bemalte chinesische Vasen gleicher Form aus der Kangxi-Ära.ProvenienzChristie's London am 14. Juni 1994, Lot 199.LiteraturhinweiseZum Formerzeichen s. Rückert, Alchemistische Symbolzeichen als Meißener Masse-, Former-, Bossierer und Drehermarken im vierten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts, in: Keramos 151/96, S. 75, Abb. 11, Marke 11 und S. 85 ff.
Vgl. Pietsch, Meissener Porzellan und seine ostasiatischen Vorbilder, Leipzig 1996, Abb. 40, die weiße Vase mit der AR-Marke in der Porzellansammlung Dresden, Inv. Nr. P. E. 7698.
Eine gleiche Vase ehemals Sammlung Just (heute Uměleckoprůmyslové Museum Prag).

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