» größer Schmidt, Erich, gefeierter Literaturwissenschaftler, Professor in Wien und Berlin, Präsident der Goethe-Gesellschaft, charismatische Persönlichkeit mit überfüllten Seminaren und zahlreichen prominenten Freunden in Literatur- und Theaterkreisen (1853-1913). Konvolut von 7 eigh. Briefen und 1 eigh. Postkarte m. U. "Erich Schmidt". Zus. 21 S. Verschied. Formate. 1884-1907. Bis auf eine Ausnahme an die Schriftstellerin und Salonière Rosa von Gerold in Neuwaldegg bei Wien. Meist umfang- und geistreiche, charmante Briefe über literarischeThemen. Einige Zitate: "... Ich helfe jetzt [Heinrich] Laubes Bibliothek ordnen und darf dabei einheimsen, was mir gefällt. Das lasse ich mir natürlich nicht zweimal sagen. Zu der Bücherpassion kommt noch eine zweite: die fürs Theater. Ich habe schon dreimal ... im Schweiße meines Angesichts der Muse geopfert. Gestern eine lange Probe der M. Barnhelm mitgemacht, wo ich gern dreingeredet hätte und von der Hartmann , von Baumeister , Schöne u. Sonnenthal entzückt war. Wilbrandt hat es fertiggebracht noch bleicher zu werden; leider scheinen häusliche Wirren - dies unter uns - seinen ... Namen vollends zu zerrütten. Er war übrigens sehr liebenswürdig und bleibt ein anziehender vornehmer problematischer Mensch. - Natürlich geht der Lessing-Biograph [Schmidt veröffentlichte 1884-1892 eine epochemachende Lessing-Monographie] heute wieder in Minna v. B. Ihnen kann ich nicht genug danken für die freundschaftliche Geduld, mit der Sie durch das Gestrüpp meines Buches vordringen, und den Honigseim Ihres unverdienten Beifalls. Ich muß jetzt sehr fleißig sein. - 'Epilog' kann ohne weiteres auch in einem prosaischen, einem beschreibenden, einem wissenschaftlichen Werke als Synonym für 'Schlußwort', 'Nachwort' etc. gebraucht werden. Sie Glückliche können also schon den befreienden Augenblick berechnen, wo der Autor die Feder hinlegt und, mit seinem fertigen Manuscript liebäugelnd, behaglich sagt: Es ist vollbracht [Wien 12.IX.1884] ... Mein Lessingmanuskript hat, wie Goethes Faust lange Jahre, eine 'große Lücke'; Der Drucker ist mir auf den Fersen; feiere ich heute, so muß ich morgen am Pulte hocken. Eiserner Zwang! ..." [Wien 28.V.1885]. Vor dem Umzug zum Goethe-Archiv nach Weimar schreibt er: "... Die Fülle von Güte, die Sie und Ihr unvergeßlicher Gemahl seit dem Herbst 1880 uns gespendet und die wir immer wie einen Gottessegen empfunden haben, ist eines der Hauptgewichte, welche meinen Fuß niederziehen, wenn ich ihn ausstrecke zum entscheidenden Schritt in eine neue Epoche, einen anderen Himmelsstrich. Halten Sie mich nicht für ungerührter als ich bin. Ich habe jetzt genug einsame Stunden, wo in meiner Seele Gegenwart und Zukunft, Besitz und Hoffnung miteinander ringen. Dann bitte ich das Schicksal um gute Menschen für mich und die Meinen, ein bischen so gut, wie wir Siein Freund und Leid, in heiterer Geselligkeit und in eigenstem Bildungsleben, im Engeren und Weiteren gefunden haben, um Sie nie ganz mehr zu verlieren ..." [6.VII.1885]. Nach Besuch des Oberammergauer Passonsspiels: "... Ja, wir zetern und schimpfen in gotteslästerlichem Chor; ich denke schon an heimliche Flucht nach München. Schon nach Oberammergau fuhr ich nur noch in hundstägiger Hitze, um dort sofort die große Regenzeit zu beginnen. Die Oberlämmergeierin brandschatzte uns zwar für Lagerstatt und Frühstück, machte aber im übrigen bis zu meinem Champagnerfrühstück (zwischen Oelberg und Kreuzigung) die gastliche Châtelaine gegen uns litterarische Handwerksburschen; wie mir bald schien: in Hoffnung einer Recension ihres Romanes. Sie ist eine geschickte Frau, aber mir zu kolossalisch; eine karyatidenhafte Figur, so was man ein Mordsmensch nennt, und von einer Stimmkraft, daß man fast umsinkt vor dem Sturm dieser Rede. Sie hat ein Rrrr, vor dem die Mauern beben wie die Wälle Jerichos. Über die Passion müssen wir einmal mündlich uns aussprechen. Meine Eindrücke sind so zwiespältig, daß ich keine Formel habe [1.IX.1890]
» größer Schmidt, Erich, gefeierter Literaturwissenschaftler, Professor in Wien und Berlin, Präsident der Goethe-Gesellschaft, charismatische Persönlichkeit mit überfüllten Seminaren und zahlreichen prominenten Freunden in Literatur- und Theaterkreisen (1853-1913). Konvolut von 7 eigh. Briefen und 1 eigh. Postkarte m. U. "Erich Schmidt". Zus. 21 S. Verschied. Formate. 1884-1907. Bis auf eine Ausnahme an die Schriftstellerin und Salonière Rosa von Gerold in Neuwaldegg bei Wien. Meist umfang- und geistreiche, charmante Briefe über literarischeThemen. Einige Zitate: "... Ich helfe jetzt [Heinrich] Laubes Bibliothek ordnen und darf dabei einheimsen, was mir gefällt. Das lasse ich mir natürlich nicht zweimal sagen. Zu der Bücherpassion kommt noch eine zweite: die fürs Theater. Ich habe schon dreimal ... im Schweiße meines Angesichts der Muse geopfert. Gestern eine lange Probe der M. Barnhelm mitgemacht, wo ich gern dreingeredet hätte und von der Hartmann , von Baumeister , Schöne u. Sonnenthal entzückt war. Wilbrandt hat es fertiggebracht noch bleicher zu werden; leider scheinen häusliche Wirren - dies unter uns - seinen ... Namen vollends zu zerrütten. Er war übrigens sehr liebenswürdig und bleibt ein anziehender vornehmer problematischer Mensch. - Natürlich geht der Lessing-Biograph [Schmidt veröffentlichte 1884-1892 eine epochemachende Lessing-Monographie] heute wieder in Minna v. B. Ihnen kann ich nicht genug danken für die freundschaftliche Geduld, mit der Sie durch das Gestrüpp meines Buches vordringen, und den Honigseim Ihres unverdienten Beifalls. Ich muß jetzt sehr fleißig sein. - 'Epilog' kann ohne weiteres auch in einem prosaischen, einem beschreibenden, einem wissenschaftlichen Werke als Synonym für 'Schlußwort', 'Nachwort' etc. gebraucht werden. Sie Glückliche können also schon den befreienden Augenblick berechnen, wo der Autor die Feder hinlegt und, mit seinem fertigen Manuscript liebäugelnd, behaglich sagt: Es ist vollbracht [Wien 12.IX.1884] ... Mein Lessingmanuskript hat, wie Goethes Faust lange Jahre, eine 'große Lücke'; Der Drucker ist mir auf den Fersen; feiere ich heute, so muß ich morgen am Pulte hocken. Eiserner Zwang! ..." [Wien 28.V.1885]. Vor dem Umzug zum Goethe-Archiv nach Weimar schreibt er: "... Die Fülle von Güte, die Sie und Ihr unvergeßlicher Gemahl seit dem Herbst 1880 uns gespendet und die wir immer wie einen Gottessegen empfunden haben, ist eines der Hauptgewichte, welche meinen Fuß niederziehen, wenn ich ihn ausstrecke zum entscheidenden Schritt in eine neue Epoche, einen anderen Himmelsstrich. Halten Sie mich nicht für ungerührter als ich bin. Ich habe jetzt genug einsame Stunden, wo in meiner Seele Gegenwart und Zukunft, Besitz und Hoffnung miteinander ringen. Dann bitte ich das Schicksal um gute Menschen für mich und die Meinen, ein bischen so gut, wie wir Siein Freund und Leid, in heiterer Geselligkeit und in eigenstem Bildungsleben, im Engeren und Weiteren gefunden haben, um Sie nie ganz mehr zu verlieren ..." [6.VII.1885]. Nach Besuch des Oberammergauer Passonsspiels: "... Ja, wir zetern und schimpfen in gotteslästerlichem Chor; ich denke schon an heimliche Flucht nach München. Schon nach Oberammergau fuhr ich nur noch in hundstägiger Hitze, um dort sofort die große Regenzeit zu beginnen. Die Oberlämmergeierin brandschatzte uns zwar für Lagerstatt und Frühstück, machte aber im übrigen bis zu meinem Champagnerfrühstück (zwischen Oelberg und Kreuzigung) die gastliche Châtelaine gegen uns litterarische Handwerksburschen; wie mir bald schien: in Hoffnung einer Recension ihres Romanes. Sie ist eine geschickte Frau, aber mir zu kolossalisch; eine karyatidenhafte Figur, so was man ein Mordsmensch nennt, und von einer Stimmkraft, daß man fast umsinkt vor dem Sturm dieser Rede. Sie hat ein Rrrr, vor dem die Mauern beben wie die Wälle Jerichos. Über die Passion müssen wir einmal mündlich uns aussprechen. Meine Eindrücke sind so zwiespältig, daß ich keine Formel habe [1.IX.1890]
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