Auktionsarchiv: Los-Nr. 6370

Führich, Joseph von

Schätzpreis
Zuschlagspreis:
Auktionsarchiv: Los-Nr. 6370

Führich, Joseph von

Schätzpreis
Zuschlagspreis:
Beschreibung:

Selbstbildnis mit Brille. Bleistift auf chamoisfarbenem Whatman-Velin. 23,4 x 18,2 cm. Verso in brauner Feder signiert und datiert "Joseph Führich Rom am 26 März 1829.". Wz. J. Whatman. "Als einsame Spitze" hat Stephan Seeliger dieses kostbare Selbstbildnis Führichs in der von ihm angelegten Dokumentation zu seiner Sammlung apostrophiert. Er hielt diese Zeichnung für das bedeutendste Kunstwerk in seiner Sammlung und daher erscheint es uns angemessen, dem Sammler selbst das Wort zu überlassen und den von ihm zu dem Werk verfassten Text aus der Weltkunst an dieser Stelle wiederzugeben: "Am 25. März 1829 war Joseph Führich in Rom bei Ludwig I. von Bayern zum Essen geladen. Der König hielt sich zum wiederholten Male in der Ewigen Stadt auf, Führich lebte dort seit 1827 dank der Unterstützung Wiener Kunstfreunde und arbeitete an der Vollendung der von Friedrich Overbeck begonnenen Ausmalung des Tasso-Zimmers im Gartenhaus der Fürsten Massimi. Schon einen Tag nach dieser ehrenvollen Einladung schreibt der aus bescheidenen Verhältnissen stammende Künstler an seine Eltern im fernen böhmischen Kratzau: 'Ich war, wie Ihr denken könnt, wie aus den Wolken gefallen [...] Der König empfing mich auf die huldvollste Weise, sagte mir sehr viel Schönes über meine Arbeiten in der Villa [...] (und) redete mir zu, bei meiner Rückreise meinen Weg doch über München zu machen, kurz, war so herzlich und freundlich, daß mir bald alle Befangenheit in der Nähe einer so hohen Person verging.' (zit. nach Joseph von Führich's Briefe aus Italien an seine Eltern (1827-1829), Freiburg i. Breisgau 1883, S. 140/141). Führich nimmt am selben Tag auch ein Blatt edlen Whatman-Papiers zur Hand und zeichnet sein eigenes Bildnis. Er signiert es rückseitig mit 'Joseph Führich Rom am 26. März 1829'. Der Kopf mit dem breit herabfallenden, gelockten, sorgfältig geordneten Haar und der programmatischen Künstlerkappe füllt die stattliche, 23,4 x 18,2 cm messende Bildfläche bis zum äußersten Rand aus, auf Beiwerk ist gänzlich verzichtet. Die Augen blicken hinter der randlosen Brille leicht zur Seite, als sänne der Künstler den Geschehnissen des Vortages nach. Mund und Kinn sind weich modelliert, Wangen und Stirn einfühlsam erfaßt, ein gewisses Wohlgefallen an der eigenen Erscheinung ist nicht zu übersehen. Wir kennen und schätzen das 'Vater-unser' und die Bilder zu Tiecks 'Genofeva' des jungen Führich. Wiederholungen seines in den 1840er Jahren entstandenen Kreuzweges sind in unzähligen alpenländischen Kirchen zu finden, sein späten Bilderfolgen - etwa zur Parabel vom Verlorenen Sohn - überzeugen durch den schlichten Ton, mit dem die Geschichte legendenhaft erzählt wird. Dazwischen gibt es Doktrinäres und Befremdliches. Ganz nahe aber sind uns Heutigen Führichs um 1820/30 entstandene Bildniszeichnungen. Eine davon ist das bisher gänzlich unbekannte Selbstbildnis vom 26. März 1829, das mich mit seiner zeitlosen Gegenwart immer wieder glücklich, aber auch betroffen macht und dessen Veröffentlichung ich mir seit Jahren für einen besonderen Anlaß aufgespart habe.". Provenienz: Friedrich Louis Moritz Anton "Fritz" Gurlitt , Berlin (1854 Wien - 1893 Thonberg bei Leipzig), verso in Bleistift von alter Hand bez. "Geschenk des Herrn Fritz Gurlitt in Berlin ...Wien 26/10 1887". Galerie Hassfurther, Wien (1995). Dort vom Sammler am 10. Februar 1995 erworben. Ausstellung: Ausst. L'Age d'ôr du romantisme allemand. Aquarelles & dessins à l'époque de Goethe. Paris 2008. Ausst. Joseph von Führich Die Kartons zum Wiener Kreuzweg. Wien 2005. Literatur: Stephan Seeliger: "Ein besonderer Anlass. Hans-Joachim Neidhardt zum 80. Geburtstag", in: Weltkunst, Heft 3, 2005, S. 79 mit Abb. Cornelia Reiter, in: Joseph von Führich Die Kartons zum Wiener Kreuzweg, Ausst. Kat. Wien, Graphische Sammlung Albertina, August-Oktober 2005, S. 90. Cornelia Reiter, in : L'Age d'ôr du romantisme allemand. Aquarelles & dessins à l'époque de Goethe. Ausst. Kat. Musée de la Vie Romantique, Paris 2008, S. 114, Nr. 33

Auktionsarchiv: Los-Nr. 6370
Beschreibung:

Selbstbildnis mit Brille. Bleistift auf chamoisfarbenem Whatman-Velin. 23,4 x 18,2 cm. Verso in brauner Feder signiert und datiert "Joseph Führich Rom am 26 März 1829.". Wz. J. Whatman. "Als einsame Spitze" hat Stephan Seeliger dieses kostbare Selbstbildnis Führichs in der von ihm angelegten Dokumentation zu seiner Sammlung apostrophiert. Er hielt diese Zeichnung für das bedeutendste Kunstwerk in seiner Sammlung und daher erscheint es uns angemessen, dem Sammler selbst das Wort zu überlassen und den von ihm zu dem Werk verfassten Text aus der Weltkunst an dieser Stelle wiederzugeben: "Am 25. März 1829 war Joseph Führich in Rom bei Ludwig I. von Bayern zum Essen geladen. Der König hielt sich zum wiederholten Male in der Ewigen Stadt auf, Führich lebte dort seit 1827 dank der Unterstützung Wiener Kunstfreunde und arbeitete an der Vollendung der von Friedrich Overbeck begonnenen Ausmalung des Tasso-Zimmers im Gartenhaus der Fürsten Massimi. Schon einen Tag nach dieser ehrenvollen Einladung schreibt der aus bescheidenen Verhältnissen stammende Künstler an seine Eltern im fernen böhmischen Kratzau: 'Ich war, wie Ihr denken könnt, wie aus den Wolken gefallen [...] Der König empfing mich auf die huldvollste Weise, sagte mir sehr viel Schönes über meine Arbeiten in der Villa [...] (und) redete mir zu, bei meiner Rückreise meinen Weg doch über München zu machen, kurz, war so herzlich und freundlich, daß mir bald alle Befangenheit in der Nähe einer so hohen Person verging.' (zit. nach Joseph von Führich's Briefe aus Italien an seine Eltern (1827-1829), Freiburg i. Breisgau 1883, S. 140/141). Führich nimmt am selben Tag auch ein Blatt edlen Whatman-Papiers zur Hand und zeichnet sein eigenes Bildnis. Er signiert es rückseitig mit 'Joseph Führich Rom am 26. März 1829'. Der Kopf mit dem breit herabfallenden, gelockten, sorgfältig geordneten Haar und der programmatischen Künstlerkappe füllt die stattliche, 23,4 x 18,2 cm messende Bildfläche bis zum äußersten Rand aus, auf Beiwerk ist gänzlich verzichtet. Die Augen blicken hinter der randlosen Brille leicht zur Seite, als sänne der Künstler den Geschehnissen des Vortages nach. Mund und Kinn sind weich modelliert, Wangen und Stirn einfühlsam erfaßt, ein gewisses Wohlgefallen an der eigenen Erscheinung ist nicht zu übersehen. Wir kennen und schätzen das 'Vater-unser' und die Bilder zu Tiecks 'Genofeva' des jungen Führich. Wiederholungen seines in den 1840er Jahren entstandenen Kreuzweges sind in unzähligen alpenländischen Kirchen zu finden, sein späten Bilderfolgen - etwa zur Parabel vom Verlorenen Sohn - überzeugen durch den schlichten Ton, mit dem die Geschichte legendenhaft erzählt wird. Dazwischen gibt es Doktrinäres und Befremdliches. Ganz nahe aber sind uns Heutigen Führichs um 1820/30 entstandene Bildniszeichnungen. Eine davon ist das bisher gänzlich unbekannte Selbstbildnis vom 26. März 1829, das mich mit seiner zeitlosen Gegenwart immer wieder glücklich, aber auch betroffen macht und dessen Veröffentlichung ich mir seit Jahren für einen besonderen Anlaß aufgespart habe.". Provenienz: Friedrich Louis Moritz Anton "Fritz" Gurlitt , Berlin (1854 Wien - 1893 Thonberg bei Leipzig), verso in Bleistift von alter Hand bez. "Geschenk des Herrn Fritz Gurlitt in Berlin ...Wien 26/10 1887". Galerie Hassfurther, Wien (1995). Dort vom Sammler am 10. Februar 1995 erworben. Ausstellung: Ausst. L'Age d'ôr du romantisme allemand. Aquarelles & dessins à l'époque de Goethe. Paris 2008. Ausst. Joseph von Führich Die Kartons zum Wiener Kreuzweg. Wien 2005. Literatur: Stephan Seeliger: "Ein besonderer Anlass. Hans-Joachim Neidhardt zum 80. Geburtstag", in: Weltkunst, Heft 3, 2005, S. 79 mit Abb. Cornelia Reiter, in: Joseph von Führich Die Kartons zum Wiener Kreuzweg, Ausst. Kat. Wien, Graphische Sammlung Albertina, August-Oktober 2005, S. 90. Cornelia Reiter, in : L'Age d'ôr du romantisme allemand. Aquarelles & dessins à l'époque de Goethe. Ausst. Kat. Musée de la Vie Romantique, Paris 2008, S. 114, Nr. 33

Auktionsarchiv: Los-Nr. 6370
LotSearch ausprobieren

Testen Sie LotSearch und seine Premium-Features 7 Tage - ohne Kosten!

  • Auktionssuche und Bieten
  • Preisdatenbank und Analysen
  • Individuelle automatische Suchaufträge
Jetzt einen Suchauftrag anlegen!

Lassen Sie sich automatisch über neue Objekte in kommenden Auktionen benachrichtigen.

Suchauftrag anlegen